Dampflok 56.3115

  • Fahrzeugnummer: 56.3115
  • Baujahr: 1914
  • Hersteller: Wiener Lokomotivfabrik AG
  • Bauart: 1D-2nv
  • Leistung: 1100 Psi
  • Länge über Puffer: 17.30 m
  • Dienstgewicht: 108 t
  • Höchstgeschwindigkeit: 60 km/h
  • Eigentümer: GKB
  • Zustand: nicht betriebsfähig

Reihe 56 der ÖBB / Reihe 170 der kkStB

Die 1D-Zweizylinder Nassdampf-Verbund-Güterzuglokomotive Reihe 56 der ÖBB (ex Reihe 170 der kkStB) zählte zu den meistgebauten Lokomotivtypen der damaligen Zeit und wurde mehr als zwei Jahrzehnte (1897 bis 1916) in ihrer ursprünglichen, wohldurchdachten Form hergestellt. Der Schöpfer der Maschine war Ing. Dr. Karl Gölsdorf, der mit dieser Lokomotive einen Meilenstein nicht nur im österreichischen, sondern im gesamten europäischen Lokomotivbau setzte, zumal deren Aufbau und Erscheinung abweichend von den bisherigen österreichischen Berglokomotiven war.

Am Arlberg, wo diese Lokomotiven zuerst eingesetzt wurden, erzielten sie die doppelte Leistung der damals sonst verwendeten Lokomotiven.

Die Reihe 170 revolutionierte nicht nur den Gebirgsdienst.

Ab 1913 wurde die mit vergrößerter Feuerbüchse und verstärkter Bremse und Kobelkamin, in großer Stückzahl gebaute Lokomotive zur Standard-Güterzuglokomotive für Flach- und Hügellandstrecken des gesamten Staatsbahnnetzes. Das Einsatzgebiet reichte vom Arlberg zur russischen Grenze und von Sudeten bis zur Adria.

Die Reihe 170 erreichte mit 796 Stück (einige wurden noch 1919 geliefert) die höchste Auflage aller österreichischen Lokomotivreihen. An ihrer Lieferung waren alle österreichischen Lokomotivfabriken beteiligt. Die Südbahn bestellte ebenfalls 54 Stück für ihre Bergstrecken am Semmering und am Brenner, die alle von der Wiener Neustädter Lokomotivfabrik geliefert wurden und sich nur in Details von der kkStB-Variante unterschieden.

Während des Ersten Weltkrieges bewährte sie sich außerordentlich gut und wurde schlechthin zu „der“ österreichischen Güterzuglokomotive.

Nach dem Ersten Weltkrieg kam das Gros der Reihe 170 zur Tschechoslowakischen Staatsbahn ČSD, die noch einige Maschinen nachbauen ließ und schließlich über 374 Exemplare verfügte. Die Italienischen Staatsbahnen FS erhielten 116 Maschinen, weitere 170er kamen zur Polnischen Staatsbahn PKP, zur Jugoslawischen Staatsbahn JDŽ und zur rumänischen CFR. Den Österreichischen Bundesbahnen BBÖ verblieben 228 Stück der Reihe 170. Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich reihte die Reichsbahn noch 209 Stück als 56.3101–3309 ein.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es in Österreich nur mehr einen kleinen Rest der einst so stattlichen Zahl von über 800 Exemplaren. So waren im Jahr 1951 noch 28 Stück im Bestand der ÖBB. Bis 1955 kamen 16 Lokomotiven der Baureihe 56 zur GKB, darunter auch die „3115“, die 1914 in Wien-Floridsdorf gebaut worden war und bei den k.k. österreichischen Staatsbahnen die Bezeichnung „170.133“ trug.

Technische Beschreibung

Karl Gölsdorf schuf speziell für den Reisezugdienst auf der Arlberg-Strecke eine vierfachgekuppelte Lokomotive mit führender Laufachse.

Von den wirtschaftlichen Vorteilen der zweifachen Dampfausdehnung überzeugt, wurde die als Reihe 170 bezeichnete Type mit einem Verbundtriebwerk ausgestattet. Der rechte Hochdruckzylinder hat einen Durchmesser von 540 mm, der linke Niederdruckzylinder 800 mm.

Der Kessel war mit seiner wasserberührten Verdampfungsheizfläche von 250 m² in Europa unübertroffen. Die Rauchkammer wurde weit nach vorne verlagert, um den 5 m langen Heizrohren Platz zu machen. Diese wurden, um die geforderte Verdampferleistung zu erreichen, in großer Anzahl (295 Stück) eingebaut.

Um die Bogenlaufeigenschaften der Lokomotive zu verbessern, setzte Gölsdorf die von Richard von Helmholtz entwickelte Theorie in der Weise um, dass die Lokomotive nur vom ersten und dritten Kuppelradsatz fest im Gleis geführt wird, während die zweite und vierte Kuppelachse eine Seitenbeweglichkeit von 21 mm haben. Die Laufachse hat ein Seitenspiel von 60 mm.

Diese zweckmäßige Anordnung minderte den Verschleiß an Spurkränzen und Schienen in den kurvenreichen Gebirgsstrecken erheblich.

Einsatz bei der GKB

Rund 20 Jahre prägte diese Baureihe den schweren Güterzugdienst auf den GKB-Strecken, ehe sie von den Lokomotiven der Baureihe 152 abgelöst wurde.