VT 10.02 – Der „Rote Blitz“ der Graz-Köflacher Bahn

Triebwagen VT 10.02
  • Fahrzeugnummer: VT 10.02
  • Baujahr: 1953
  • Hersteller: Waggonfabrik Uerdingen
  • Bauart: A-A
  • Leistung: 2 x 150 PS
  • Länge über Puffer: 13.265 m
  • Dienstgewicht: 20.4 t
  • Höchstgeschwindigkeit: 90 km/h
  • Eigentümer: StEF – Steirische Eisenbahnfreunde
  • Zustand: betriebsfähig

1. Die Entstehung des „Roten Blitzes“

Anfang der 1950er-Jahre modernisierte die Graz-Köflacher Bahn (GKB) als erste Eisenbahnunternehmung Österreichs ihren Personenverkehr mit den fortschrittlichen Uerdinger Dieseltriebwagen. Die Fahrzeuge wurden zwischen 1951 und 1968 von der Waggonfabrik Uerdingen in Krefeld (Deutschland) gebaut.

Die Schienenbusse erfreuten sich in der Weststeiermark großer Beliebtheit. Ihre helle rote Farbgebung, die gute Rundumsicht und die bequemen, in Fahrtrichtung verstellbaren Sitze hoben sie deutlich von den klassischen, dampflokbespannten Zügen ab. Insgesamt setzte die GKB neun VT-10-Triebwagen und 21 Beiwagen ein.

2. Der VT 10.02 im Einsatz

Der VT 10.02 wurde am 28. April 1953 bei der GKB in Betrieb genommen. Er verkehrte auf den Strecken Graz–Köflach und Graz–Wies-Eibiswald sowie auf der ehemaligen Sulmtalstrecke zwischen Pölfing-Brunn und Leibnitz, die 1967 stillgelegt wurde.

Während seiner Einsatzzeit legte der Triebwagen rund 3,2 Millionen Kilometer zurück. 1994 wurde er aus dem regulären Verkehr genommen.

3. Rettung und Restaurierung

Nach seiner Ausmusterung drohte dem VT 10.02 die Verschrottung. Im Jahr 1997 gelang es den Steirischen Eisenbahnfreunden (StEF), das Fahrzeug zu erwerben und damit für die Nachwelt zu erhalten.

Mit großem persönlichem Einsatz und rund 700 ehrenamtlichen Arbeitsstunden wurde der Triebwagen restauriert. Allein 250 Stunden entfielen auf die Lackierung. Das Fahrzeug erhielt sein historisches Erscheinungsbild im Stil der 1970er-Jahre mit der roten Lackierung und dem ursprünglichen GKB-Emblem zurück.

4. Der „Rote Blitz“ heute

Heute steht der restaurierte VT 10.02 für Ausflugs- und Sonderfahrten zur Verfügung. Gemeinsam mit weiteren erhaltenen Trieb- und Beiwagen wird er von den Steirischen Eisenbahnfreunden in Zusammenarbeit mit der GKB museal betreut.

5. Weitere Entwicklung der Schienenbusse

Ergänzend zu den zweimotorigen VT 10 beschaffte die GKB 1972 und 1975 vier einmotorige Triebwagen von der Deutschen Bundesbahn, die als VT 50 bezeichnet wurden. Die erhaltenen Fahrzeuge der Schienenbusfamilie dokumentieren heute ein wichtiges Kapitel der steirischen Eisenbahngeschichte.